
Wir freuen uns sehr, vom Handelsblatt als eine der besten Steuerberatungsgesellschaften Deutschlands ausgezeichnet worden zu sein. Im Rahmen dieser Ehrung wurde unser Geschäftsführer, Steuerberater Marcus Weber-Wellegehausen als Experte für den Fachartikel „Partnersuche mit Anspruch“ interviewt. In dem am 19. März 2025 erschienenen Beitrag berichtet er über den wachsenden Trend zu Kanzleiübernahmen, die Bedeutung der Digitalisierung und unseren Weg, durch gezieltes Wachstum den Fachkräftemangel zu meistern. Lesen Sie hier den vollständigen Artikel:
Mit Übernahmen und Zusammenschlüssen wollen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer die Digitalisierung meistern und den Personalmangel lindern. Das Gelingen der Fusion hängt stark von der Kommunikation ab.
Es war ein verzweifelter Hilferuf, der den Wolfenbütteler Steuerberater Marcus Weber-Wellegehausen im Dezember 2015 erreichte. „Meine Tante rief mich mit tränenerstickter Stimme an“, erinnert er sich. Ihr Chef, ebenfalls Steuerberater, liege im Sterben. Sein Wunsch sei, dass Weber-Wellegehausen dessen Kanzlei weiterführe. Er stimmte zu.
Weber-Wellegehausen stellte bei der eigenen Gesellschaft Eventus die sechs Beschäftigten ein, zu denen auch die Tante gehörte. Vier weitere Kanzleien hat Weber-Wellegehausen bis heute übernommen. Eventus beschäftigt damit mehr als 200 Mitarbeitende an zehn Standorten und hält mehr als 2200 Mandate. Zudem hat Weber-Wellegehausen zwei strategische Partnerschaften geschlossen, zu denen eine 50-prozentige Beteiligung an der Berliner Kanzlei Duske & Partner zählt.
Übernahmen und Zusammenschlüsse sind an der Tagesordnung in der Branche der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Pro Jahr wechseln allein etwa 1500 Steuerkanzleien den Besitzer, zeigen Daten der Datev. Die Nürnberger sind mit 620.000 Kunden Marktführer bei Software für Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer.
Die Zahl der Kanzleien, die einen Käufer suchen, übersteigt inzwischen die Nachfrage. „Der Markt hat sich in den vergangenen fünf Jahren gedreht und zu einem Angebotsmarkt entwickelt“, erläutert Markus Windisch, der bei der Datev als Fusionsberater tätig ist – auch eine Folge des demografischen Wandels. Denn das Durchschnittsalter der Kanzleieigentümer steigt.
Je besser und digitaler die Kanzlei aufgestellt ist, desto einfacher und teurer lässt sie sich verkaufen – das ist die Faustregel von Michael Loch, Geschäftsführer von Glawe, einer Kanzleivermittlung, die eine Liste mit 850 Kaufinteressenten führt. Wer nicht modernisiert, hat es dagegen schwer. Kanzleichef Weber-Wellegehausen berichtet, dass er bereits ein Kaufangebot abgelehnt habe, weil der Kollege alle Entwicklungen verschlafen hatte. „Die Technik war veraltet, die Mitarbeiter standen vor der Rente, aber er hatte die Vorstellung, er verkaufe eine High-End-Kanzlei“, sagt Weber-Wellegehausen.
Die Motivation für die Übernahmen hat sich verändert. Vor zehn Jahren sei es beim Kanzleikauf vor allem um den Mandantenstamm gegangen, berichtet Loch. Das sei heute weniger wichtig. Schließlich gibt es mehr als genug zu tun. Immer mehr Steuerberater hätten sogar einen Aufnahmestopp bei den Mandaten.
Große Kanzleien wollen investieren
Zukunftspläne von Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien, Anteil der Befragten in Prozent
| Kanzleigröße | Kauf | Zusammenschluss | Verkauf |
|---|---|---|---|
| Weniger als 5 Beschäftigte | 5,7 % | 3,8 % | 14,2 % |
| 5 bis 25 | 11,7 % | 9,5 % | 6,7 % |
| 26 bis 100 | 21,9 % | 9,5 % | 3,6 % |
| Mehr als 100 Beschäftigte | 36,4 % | 3,6 % | 0,0 % |
(Umfrage unter mehr als 4.000 Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern, HANDELSBLATT 2025 • Quelle: SW)
Dafür ist der Personalmangel eine treibende Kraft für Übernahmen und Zusammenschlüsse. „Heutzutage übernimmt man Kanzleien vor allem wegen der Mitarbeiter“, erläutert Loch. Denn die Ausbildungszahlen können mit dem steigenden Bedarf nicht mithalten. Vergangenes Jahr zählte die Berufsstatistik 17.000 Auszubildende zum Steuerfachangestellten – genau so viele wie 2014. „Etwa 15.000 Kanzleien haben ein Übernahmeproblem“, bilanziert Loch das Potenzial der Kandidaten für einen Verkauf.
Dennoch fällt das Loslassen häufig schwer – es geht schließlich um das Lebenswerk, das zum Verkauf steht. „Der Verkäufer sollte die Kanzlei so weit wie möglich von sich entpersonalisieren“, empfiehlt Glawe-Geschäftsführer Loch. Auch wer eine Kanzlei übernimmt, sollte gut vorbereitet sein.
Steuerberater Weber-Wellegehausen von Eventus sagt, dass er viel Zeit in Gespräche mit den neuen Kollegen investiert habe. „Mir war es immer wichtig, die neuen Kollegen von uns zu überzeugen und sie an Bord zu holen.“ Das habe einen schönen Nebeneffekt gehabt: „99 Prozent der Mandanten sind zu uns gewechselt, auch weil wir die Mitarbeiter übernommen haben.“
Vor einer Übernahme stellt Weber-Wellegehausen intern ein Team von sechs Kolleginnen und Kollegen zusammen, das die ins Auge gefasste Kanzlei intensiv prüft. Dazu gehören neben den Gesprächen mit der Belegschaft auch eine Mandantenanalyse. Dafür stellt der Verkäufer eine anonymisierte Mandantenliste mit den Honorarumsätzen zur Verfügung. Außerdem werden die Abschlüsse und Bilanzen gecheckt. So errechnet sich der Wert einer Kanzlei. Eventus hat die Übernahmen ohne externe Hilfe getätigt. Berater Glawe bietet Kunden einen Kanzleicheck für 3000 bis 5000 Euro an. Dabei wird der Status quo ermittelt, der Wert der Kanzlei bemessen und es werden Maßnahmen beschrieben, um den Wert zu halten oder zu steigern.
Auch eine interne Lösung kann Sinn ergeben. Zunächst sollte ein verkaufswilliger Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer immer in der eigenen Kanzlei schauen, ob sich ein Kollege oder eine Kollegin für die Nachfolge anbietet, sagt Datev-Experte Windisch. Die Kanzlei-Eigentümer seien zudem in der Regel sehr gut vernetzt. Deshalb lohne sich die Suche im eigenen Netzwerk. Zudem könnten sie die lokale Umgebung nach einem geeigneten Nachfolger screenen, einen Vermittler beauftragen oder eine Börse nutzen“, sagt Windisch. Die Datev unterhält einen solchen Marktplatz, ebenso wie die Deutsche Bank und die Deutsche Unternehmensbörse. Bei Letzterer findet sich beispielsweise eine Kanzlei aus Starnberg, die aus Altersgründen veräußert wird. Acht Mitarbeitende sind beschäftigt, der Umsatz des Unternehmens liegt bei 530.000 Euro. Der Verkaufspreis beläuft sich auf eine halbe Million Euro.
Käufer sollten sich auch Gedanken machen, welche Mandanten sie nach einem Erwerb übernehmen. Denn abhängig von der Struktur des Kundenstamms ändert sich der Arbeitsaufwand. Weber-Wellegehausen hat die übernommenen Kanzleien auch mit dem Ziel ausgewählt, sich weiter zu spezialisieren und größere Mandanten zu gewinnen. „Wir haben öfter Anfragen bekommen, für Unternehmen die Lohnabrechnungen von weit über 100 Angestellten aufzusetzen“, sagt er. Dafür brauchten wir auch das geeignete Personal.“
Bei Zusammenlegungen sollte es nicht nur um Zahlen gehen, mahnt Berater Windisch. Besonders das Zwischenmenschliche muss stimmen. Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, die zusammengehen wollen, müssen sich dieselbe Frage stellen wie Paare: Sind wir schon so weit, zusammenzuziehen?“ Dafür sollten die Parteien im Vorfeld Kultur und Werte definieren. „Wir hatten schon einige Kanzleien, die wir nach kurzer Zeit wieder trennen mussten.“
Die Dauer der Transaktionen kann sehr unterschiedlich sein. Allerdings: „Wenn eine Verhandlung länger als zwölf Monate dauert, wird es meist nichts“, sagt Loch. Kleine Kanzleien mit unter zehn Mitarbeitenden würden meistens in die vorhandene Kanzlei integriert, darüber lohne es sich, die Büros zu behalten. Zu bedenken sei dann, dass die IT vereinheitlicht werden müsse. Auch eine Datenmigration muss veranlasst werden. Die Datev spricht intern bei der Vereinigung und Trennung von Mandantendaten auch von „Datenhochzeit und -scheidung“.
Der verstärkte IT-Einsatz beschleunigt den Trend zu Übernahmen und Zusammenschlüssen. „Die Digitalisierung lässt sich in einer größeren Gesellschaft einfacher bewältigen als in einer kleinen Kanzlei“, erläutert Berater Loch. Viele Steuerberater seien seit Corona stark belastet. Während der Pandemie seien die Kanzleien mit den Anträgen für die Überbrückungshilfen beschäftigt gewesen, die Reform der Grundsteuer habe viele zusätzlich belastet. „Als Einzelkämpfer muss man all das neben dem Arbeitsalltag bewältigen“, sagt Loch. „In einer Gesellschaft lassen sich für jedes Problem Spezialteams zusammenstellen.“
Das Geschäftsmodell des Einzelkämpfers werde immer unattraktiver. Jeder siebte Berufsträger in einer kleinen Kanzlei mit unter fünf Beschäftigten will verkaufen, zeigt eine Erhebung des Marktforschungsinstituts SWI für das Handelsblatt. Auch angesichts des Mangels an Nachfolgern öffnet sich die Branche für Investoren. Über Berufsausübungsgesellschaften (BAG) können auch Nicht-Steuerberater Anteile an einer Kanzlei erwerben. „Das öffnet Türen für neue Interessentengruppen, vor allem aus dem IT-oder dem M&A-Bereich“, sagt Loch. Auch Private Equity dränge in den Markt. „Diese Gruppen ersetzen die fehlenden Käufer, die eine Existenz gründen wollen.“
Marcus Weber-Wellegehausen bereitet schon die eigene Nachfolge vor. Julian, der 19 Jahre alte Sohn des 55-Jährigen, hat ein duales Studium bei Eventus begonnen. Auch der 14-jährige Nicolas möchte Steuerberater werden. „Meine Hoffnung ist, dass meine Söhne später meine Anteile übernehmen.“









